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Türken und Armenier - Eine menschliche Tragödie

Interview mit dem britischen Historiker Bernard Lewis, erschienen in „Le Monde“ vom 16.November 1993

Warum weigern sich die Türken immer noch, den Genozid an den Armeniern anzuerkennen?

Sie wollen sagen, die armenische Version dieser Geschichte anzuerkennen? Für die Türken gab es ein armenisches Problem aufgrund des Vormarsches der Russen und einer anti-osmanischen Bevölkerung in der Türkei, die die Unabhängigkeit suchte und offen mit Russen, die aus dem Kaukasus kamen, sympathisierten. Es gab auch armenische Banden- die Armenier preisen sich der heroischen Großtat des Widerstandes- und die Türken hatten sicherlich Probleme damit, im Krieg die Ordnung aufrecht zu halten. Für die Türken ging es darum, Straf- und Präventionsmaßnahmen gegen eine unzuverlässige Bevölkerung in einer Region zu ergreifen, die durch eine ausländische Invasion bedroht war. Für die Armenier ging es darum, ihr Land zu befreien. Aber die beiden Lager stimmten darin überein anzuerkennen, dass sich die Repression geografisch begrenzte. Sie wirkte sich zum Beispiel kaum auf die Armenier, die anderswo im Osmanischen Reich lebten, aus. „


„Erklärung des britischen Historikers Bernard Lewis über die armenische Frage, erschienen in „Le Monde“ vom 1.Januar 1994

1. Es gab keinerlei Hasskampagne, die direkt auf die Armenier abzielte, keinerlei Dämonisierung ,vergleichbar mit dem Antisemitismus in Europa.

2. Die Deportation der Armenier ,obgleich von großen Ausmaß, war nicht vollständig und im Besonderen erstreckte sie sich nicht auf die beiden Großstädte Istanbul und Izmir.

3. Die Aktionen der Türken gegen die Armenier, obgleich unverhältnismäßig, entstanden nicht aus dem Nichts. Die Angst vor einem russischen Vormarsch in die osmanischen orientalischen Provinzen, das Wissen um die Tatsache, dass zahlreiche Armenier die Russen als ihre Befreier gegen das türkische Regime ansahen, und der Bewusstwerdung der revolutionären armenischen Aktivitäten durch das osmanische Reich: All dies trug dazu bei, eine Atmosphäre der Unruhe und des Misstrauens zu schaffen, die durch die zunehmend verzweifelte Situation des Reiches und durch die Ängste in den Kriegszeiten- was sehr gewöhnlich ist –verstärkt wurde. Im Jahr 1914 haben die Russen vier große Einheiten aus armenischen Freiwilligen und 1915 drei weitere ins Leben gerufen. Diese Einheiten umfassten zahlreiche osmanischen Armenier, von denen einige sehr bekannte Personen waren.

4. Deportationen aus kriminellen, strategischen oder anderen Gründen wurden im Osmanischen Reich jahrhundertelang betrieben. Die osmanischen Deportationen zielten nicht direkt und ausschließlich auf die Armenier. Beispiel: Unter der Bedrohung des russischen Vormarsches und der bevorstehenden Besetzung der Stadt Van, evakuierte der Gouverneur dieser Stadt hastig die moslemische Bevölkerung und schickte sie ohne Transportmittel und Nahrung auf den Weg, anstelle sie unter russische Herrschaft fallen zu lassen. Sehr wenige dieser Moslems haben diese „freundschaftliche“ Deportation überlebt.

5.Es ist nicht anzuzweifeln, dass die Leiden, die die Armenier erduldeten ,eine schreckliche menschliche Tragödie waren, die die Erinnerung dieses Volkes wie die der Juden durch den Holocaust prägt. Einer große Zahl von Armeniern kam durch Hunger, Krankheit, durch Aufgabe und auch Kälte ums Leben, da sich das Leiden der Deportierten während des Winters fortsetzte. Ohne jeden Zweifel gab es auch schreckliche Grausamkeiten, obgleich nicht nur von einer Seite, wie uns die Berichte amerikanischer Missionare vor der Deportation, besonders was das Schicksal der moslemischen Dorfbewohner in der Region Van angeht, die in die Hände armenischer Freiwilligen-Einheiten gefallen sind, zeigen.

Aber diese Ereignisse müssen im Kontext des sicherlich ungleichen, aber gerechtfertigten Kampfes und der unverfälschten türkischen Unruhe- ohne Zweifel in hohem Maße übertrieben, aber nicht gänzlich unbegründet- hinsichtlich einer hilflosen armenischen Bevölkerung , die bereit war ,den russischen Invasoren zu helfen, gesehen werden. Die Regierung der Jungtürken entschied, diese Frage auf die Alte –oft angewendete- Weise der Deportation zu lösen.

Die Deportierten mussten schreckliche Leiden ertragen, erschwert durch die schwierigen Bedingungen des Krieges in Anatolien, durch die mittelmäßige Qualität ihrer Eskorte- aufgrund des Fehlens praktisch der Gesamtheit der gesunden Männer, die von der Armee mobilisiert wurden und durch die verheerenden Folgen der Räuber oder aller anderen, die von der Gelegenheit profitierten. Aber es existiert kein zuverlässiger Beweis für eine Entscheidung und einen Plan der osmanische Regierung, welche darauf abzielten, das armenische Volk auszulöschen.“

11.3.08 17:01, kommentieren

Das Ka´aba der Türken...

 

...liegt an den Dardanellen, dort wo Europa Asien berührt.

An der Meerenge zwischen Europa und Asien versuchte Winston Churchill Ende des 1. WK überzusetzen. Ziel war es Istanbul einzunehmen, und dem "Kranken Mann am Bosporus" – wie man das osmanische Reich verächtlich nannte – den Todesstoß zu verpassen.

"Soldaten, ich befehle euch nicht zu kämpfen, ich befehle euch zu sterben!" rief M.K. Atatürk seiner Armee entgegen. "In der Zeit, in der ihr sterben werdet, wird euer Platz von anderen eingenommen werden..."

Ein Teil des alliierten Kontingents wird aus jungen Australiern rekrutiert, dem "Australian New Zealand Army Corps"; die australische Regierung erhofft sich dadurch ein Mitspracherecht in der Weltpolitik – und schickt ihre Kinder an eine Front, die am anderen Ende der Welt liegt. Gegen einen Feind, den sie nicht kennen...

Euphorisch und siegessicher malen sich die verblendeten Rekruten ihren Triumph aus. Vor Ägypten legen sie Anker – und kaufen Souvenire...

Schließlich nehmen sie Kurs auf in Richtung Gallipoli – so wie die "Truppe" mit der ich mich vor 5 Jahren auf den Weg begeben habe - 86 Jahre nach der legendären Schlacht von Gallipoli...Ihre Großeltern standen dort meinen gegenüber...

Ich war der einzige Türke - zwischen Australiern, Engländern, Neu Seeländern...Im Bus sahen wir den Film "Gallipoli". M. Gibson spielt darin einen der Australier, den es leichtsinnig an die Dardanellen verschlägt. Sie wollen sich nicht vorstellen, dass dieser "Feind" nichts mehr zu verlieren hat...

Am Ende sollten 500.000 Menschen ihr Leben lassen. Es kommen aber auch Szenen der Menschlichkeit zustande: Soldaten, die versteckt hinter den Sandsäcken, ihren Gegnern Wasserflaschen zuwerfen, wenn sie sie verletzt sehen...Oder Soldaten, die verwundete Gegner aus der Schusslinie tragen...

Seitdem wird der 25. April, der Jahrestag der ersten Landung, in Australien und Neuseeland jedes Jahr als ANZAC Day begangen und gilt als wichtigster nationaler Feiertag.

Beeindruckt hat uns an der ANZAC-Bay diese Inschrift:

"Those heroes that shed their blood and lost their lives…
You are now living in the soil of a friendly country. Therefore rest in peace. There is no difference between the Johnnies and the Mehmets to us where they lie side by side here in this country of ours…
You, the mothers, who sent their sons from faraway countries wipe away your tears; your sons are now lying in our bosom and are in peace, after having lost their lives on this land they have become our sons as well." Ataturk, 1934

21.11.07 17:30, kommentieren

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